Hamburg: Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie

KZ-Häftlinge bei der Messap, um 1944.

Die Häftlinge mussten Präzisionsarbeit leisten. Deshalb waren die Arbeitsbedingungen in der Werkstatt erträglicher als in anderen Arbeitskommandos des Lagers. Solche privilegierten Bereiche stellten im KZ eine Ausnahme dar.

KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Zwangsarbeiter in der Firma Hans Still, Mai 1942.

Der Fotograf Willy Beutler machte die Aufnahmen der „Ostarbeiter“ vermutlich im Auftrag der Landesbildstelle Hamburg.

Staatsarchiv Hamburg

Zwangsarbeiter in der Firma Hans Still, Mai 1942.

Die inszenierten Bilder verbergen die tatsächlichen Bedingungen der Zwangsarbeit.

Staatsarchiv Hamburg

Kennzeichnung sowjetischer Zwangsarbeiter, Mai 1942.

Im April 1944 waren bei der Firma Hans Still knapp 500 Zwangsarbeiter aus Frankreich, Holland, Polen und der Sowjetunion beschäftigt. Menschen aus den besetzten sowjetischen Gebieten waren gesondert als „Ostarbeiter“ gekennzeichnet.

Staatsarchiv Hamburg

Behandlung von KZ-Häftlingen bei Blohm&Voss

Offiziell sollte der Kontakt zwischen Zwangsarbeitern und Angestellten auf das dienstlich Notwendige beschränkt bleiben. Die im Bericht geschilderten Misshandlungen und schlechten Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter waren unter der deutschen Belegschaft und Gesellschaft allgemein bekannt.

Quelle: Bundesarchiv Berlin

Werksinterner Aushang der Anker-Werke, 1943.

Die Bielefelder Anker-Werke veröffentlichten am firmeninternen Schwarzen Brett Anleitungen zum Umgang mit ausländischen Arbeitern. „Schlau“ tritt gegenüber den sowjetischen Zwangsarbeiterinnen mit Härte auf.

Quelle: Stadtarchiv Bielefeld

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Zwangsarbeit in der Hamburger Rüstungsindustrie

Mehr als die Hälfte der insgesamt 500.000 Zwangsarbeiter in Hamburg wurde in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Der Arbeitskräftemangel in den als kriegswichtig eingestuften Betrieben sollte durch Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge ausgeglichen werden.

Der Hamburger Hafen, das wirtschaftliche Zentrum der Stadt, spielte mit seinen Werften in der Rüstungsindustrie eine zentrale Rolle. Zwangsarbeiter wurden auf Großwerften wie Blohm & Voss oder der Deutschen Werft vor allem für den Bau von Kriegsschiffen und U-Booten eingesetzt.

Weitere kriegswichtige Firmen waren Maschinenbaubetriebe wie Heidenreich & Harbeck oder die Kampnagel AG. Sie stellten Waffen und Munition her. Die Zwangsarbeiter dieser Firmen wurden meist in Lagern untergebracht, die sich auf dem Firmengelände befanden. Einige Rüstungsbetriebe hatten die Möglichkeit, Werkstätten direkt auf dem Gelände des KZ Neuengamme zu errichten und Häftlinge als billige Arbeitskräfte auszubeuten.

Ausländische Arbeitskräfte im Deutschen Reich nach Nationalitäten, 1943. Besonders bei den Frauen war der Anteil sowjetischer Arbeitskräfte sehr hoch. Ausschnitt aus einer 1944 vom Chef der deutschen Militärverwaltung in Frankreich herausge-gebenen Publikation. Quelle: Archives Nationales, Paris

Zwangsarbeit im Reich bis Ende 1941

Bereits im Herbst 1939 wurden die ersten polnischen Zivilisten und Kriegsgefangenen in der deutschen Landwirtschaft eingesetzt. Die deutschen Behörden gingen zunächst von einem kurzzeitigen Einsatz aus. Jedoch stieg mit der Ausweitung des Krieges der Bedarf an Arbeitskräften. Deshalb wurden ab 1940 auch französische und im Jahr darauf serbische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit im Reich herangezogen.

Um sie von der deutschen Bevölkerung fern zu halten, erließen die Behörden für die Kriegsgefangenen und die polnischen Zivilarbeiter repressive Aufenthalts‑ und Arbeitsbestimmungen. Dazu zählten die „Polenerlasse“ vom Februar 1940, die bereits wichtige Bestimmungen enthielten, die 1942 in den „Ostarbeitererlassen“ verschärft wurden.

Audio

Jacques Leperc über seinen angegriffenen Gesundheitszustand.

Schriftliche Erinnerungen um 2000 (eingesprochen, 02:00 min.)

Quelle: Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“

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