Zwangsarbeit bei der New-York Hamburger (NYH)

Die „Neue Fabrik“ auf dem Gelände der NYH nach 1945.

In diesem Gebäude befindet sich heute das Museum der Arbeit. Die Ausstellung Zwangsarbeit wird in dem im Krieg zerstörten und 1995 wieder aufgemauerten 3. Obergeschoss gezeigt. Im 2. Obergeschoss lebten von 1942 bis 1945 bis zu 65 Zwangsarbeiterinnen im „Russinnenlager“. Sie mussten im Erdgeschoss an Drehbänken Flakgranatenrohlinge bearbeiten.

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Wera Kosejewa, Juni 1942.

Wera Kosejewa wurde im Juni 1942 als Fünfzehnjähige aus ihrem Heimatdorf in der Ukraine verschleppt. Nach ihrer Ankunft in Hamburg fertigten die lokalen Behörden das Foto zu erkennungsdienstlichen Zwecken an. Von August 1942 bis zu ihrer Befreiung im Mai 1945 musste sie bei der NYH Zwangsarbeit leisten.

Museum der Arbeit

Wera Kosejewa in einer Gruppe von Zwangsarbeiterinnen im Fabrikhof, Herbst 1942.

Das Bild zeigt eine Ausnahmesituation – der Hof blieb den Frauen aus der Sowjetunion bis Anfang 1945 versperrt. Sie verbrachten ihre gesamte Zeit in der „Neuen Fabrik“. Von ihrer Unterkunft zur Arbeit und zurück wurden sie unter Bewachung geführt. Einmal im Jahr, zu Weihnachten, bekamen sie besseres Essen und durften Postkarten nach Hause schreiben.

Museum der Arbeit

Sterbeurkunde Maria Demidenko, 22. März 1946

Maria Demidenko musste für Phönix-Harburg arbeiten. Ab März 1943 sollten Schwangerschaften von Ostarbeiterinnen abgebrochen werden. Zwischen Oktober 1943 und Mai 1945 bewilligten Gutachter bei der Ärztekammer Hamburg 619 Abtreibungen.

Quelle: Archiv des International Tracing Service, Bad Arolsen

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Hamburg: Der Lagerkosmos in einer deutschen Großstadt

Zwangsarbeiterlager überzogen Hamburg - wie jede andere deutsche Stadt - mit einem engmaschigen Netz. Sie waren öffentlich sichtbar und gehörten zum Alltag der deutschen Bevölkerung.

Die Unterkünfte waren – je nach Herkunft und Kategorie der Zwangsarbeiter – sehr unterschiedlich. Die Spannweite reichte von Privatquartieren über Sammelunterkünfte in Baracken und Sälen bis zu improvisierten Lagern in Fabrikhallen oder Scheunen. Am schlechtesten waren die Unterkunftsbedingungen für Arbeitskräfte aus Osteuropa und KZ-Häftlinge. Vor allem in den ungeschützten großen Barackenlagern starben viele Zwangsarbeiter bei alliierten Luftangriffen.

Die New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie beschäftigte an ihren beiden Standorten in Barmbek und Harburg mindestens 302 Zwangsarbeiter. Die größte Gruppe waren Frauen aus der Sowjetunion, gefolgt von italienischen Militärinternierten. Weitere Zwangsarbeiter kamen aus Frankreich, der Tschechoslowakei, Belgien und den Niederlanden. Sie waren in den Fabrikgebäuden untergebracht. Die Zwangsarbeiter stellten Granatenhülsen, Kämme für die Wehrmacht und Kunststoffflaschen für Salben her.

Quelle: Zeitschrift „Arbeitseinsatz im Deutschen Reich“, 5. Oktober 1942

Dimensionen der Zwangsarbeit

Von 1939 bis 1945 mussten im Deutschen Reich und den von ihm annektierten Gebieten („Großdeutsches Reich“) insgesamt etwa 13 Millionen Menschen Zwangsarbeit leisten. Davon waren etwa 4,6 Millionen Kriegsgefangene. Die Zwangsarbeiter kamen aus allen von der Wehrmacht besetzten Ländern, vor allem aus der Sowjetunion, Polen und Frankreich.

Die Zwangsarbeiter wurden vor allem in der Landwirtschaft, der Rüstungsindustrie, dem Bergbau und im Bauwesen eingesetzt. Gegen Ende des Krieges stellten sie fast die Hälfte der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, ein Drittel in der Rüstungsindustrie und im Bauwesen sowie ein Viertel im Bergbau. Aber auch in privaten Haushalten und im Handwerk gehörten sie zum Alltag.

Etwa zweieinhalb Millionen Menschen, vor allem sowjetische Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus allen Teilen Europas, haben die Zwangsarbeit im Deutschen Reich nicht überlebt.

Audio

Wera Iosifowna Wolk über die hygienischen Bedingungen im Lager.

Videointerview 2005 (eingesprochen, 02:00 min.)

Quelle: Digitales Archiv „Zwangsarbeit 1939 – 1945“

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Maria Andrzejewska, geb. Kawecka über die Situation in einem Zwangsarbeiterlager.

Schriftlicher Erinnerungsbericht 1997 (eingesprochen, 01:45 min.)

Quelle: Berliner Geschichtswerkstatt e.V.

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