Die Geschichte zum Plakatmotiv
Als Plakatmotiv wurde für die Ausstellung im Museum Arbeitswelt in Steyr ein Bild ausgewählt, auf dem ein deutscher Uniformierter in Polen im Herbst 1939 einen Juden schikaniert.
Es ist einer Bildfolge in der Ausstellung entnommen (Szene 2/2/2), die zeigt, wie Juden vielerorts nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen zu erniedrigenden, meist sinnlosen Arbeiten gezwungen wurden. Dabei misshandelten die Soldaten ihre Opfer mit Schlägen und rasierten orthodoxen Juden die Bärte ab. Häufig beteiligten sich auch deutschstämmige Nachbarn an den Schikanen.
Bemerkenswert ist die Herkunft des Bildes: Im Zuge der umfangreichen Recherchen für die Ausstellung fand es sich im Stadtarchiv Nürnberg. Dort ist das ehemalige Archiv des „Stürmers“ in Bruchstücken überliefert. Der Bestand enthält unter anderem von Lesern eingeschickte Fotos und Briefe. Die antisemitische Zeitschrift betrieb Hetze zum Mitmachen, wobei Leser animiert wurden, selbst „aktiv“ zu werden: sie fotografierten Misshandlungen von Juden, denunzierten „Volksgenossen“, die jüdische Geschäfte nicht boykottierten und verfassten Kommentare, die den zynischen Hetztiraden des „Stürmers“ nacheiferten.
Nach Kriegsbeginn forderte die Redaktion des „Stürmers“ Wehrmachtssoldaten dazu auf, Fotos einzusenden, auf denen sie Juden zum Arbeiten zwangen. Aus diesem Konvolut stammt auch das Plakatmotiv, sein Einsender ist unbekannt. Die Redaktion des „Stürmers“ veröffentlichte einen Ausschnitt eines anderen Fotos, auf dem derselbe Mann in einer anderen Haltung abgebildet ist. Der Ausschnitt ist so gewählt, dass weder der Soldat noch die Zuschauer zu sehen sind. Versehen wurde es mit einem typischen Kommentar des Hetzblattes: „Zum erstenmale produktive Arbeit! Ein jüdischer Wucherer in Polen muß bei Bauarbeiten helfen.“