Die Geschichte zum Plakatmotiv

Plakat zur internationalen Wanderausstellung „Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg“ in Dortmund

Ein deutscher Uniformierter (vermutlich ein SS-Angehöriger) schikaniert einen Juden im besetzten Polen, Herbst 1939.

Foto aus dem ehemaligen Archiv des „Stürmers“. Im Hintergrund sind zivile Zuschauer zu sehen.

Quelle: Stadtarchiv Nürnberg (Signatur E 39 Nr. 1703/21/1)

Fotoausschnitt mit Kommentar. Redaktionell aufbereitetes Material zur Veröffentlichung in „Der Stürmer“, Nr. 47, November 1939.

Quelle: Stadtarchiv Nürnberg (Signatur E 39 Nr. 1702/10/1)

Eine Seite aus „Der Stürmer“, Nr. 47, November 1939.

Quelle: Deutsches Historisches Museum, Berlin

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Die Geschichte zum Plakatmotiv

Als Plakatmotiv für die Ausstellung wurde ein Bild ausgewählt, auf dem ein deutscher Uniformierter, vermutlich ein SS-Mann, in Polen im Herbst 1939 einen Juden schikaniert. Es ist einer Bildfolge in der Ausstellung entnommen, die zeigt, wie Juden vielerorts nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen zu erniedrigenden, meist sinnlosen Arbeiten gezwungen wurden. Dabei misshandelten die deutschen Soldaten ihre Opfer mit Schlägen und rasierten orthodoxen Juden die Bärte ab. Häufig beteiligten sich auch deutschstämmige Nachbarn an den Schikanen.

Bemerkenswert ist die Herkunft des Bildes: Im Zuge der umfangreichen Recherchen für die Ausstellung fand es sich im Stadtarchiv Nürnberg. Dort ist das ehemalige Archiv der nationalsozialistischen Wochenzeitung „Der Stürmer“ in Bruchstücken überliefert. Der Bestand enthält unter anderem von Lesern eingeschickte Fotos und Briefe. Die antisemitische Zeitschrift betrieb Hetze zum Mitmachen, wobei Leser animiert wurden, selbst „aktiv“ zu werden: sie fotografierten Misshandlungen von Juden, denunzierten deutsche „Volksgenossen“, die jüdische Geschäfte nicht boykottierten und verfassten Kommentare, die den zynischen Hetztiraden des „Stürmers“ nacheiferten.

Nach Kriegsbeginn forderte die Redaktion des „Stürmers“ Wehrmachtssoldaten dazu auf, Fotos einzusenden, auf denen sie Juden zum Arbeiten zwangen. Aus diesem Konvolut stammt auch das Plakatmotiv, sein Einsender ist unbekannt. Die Redaktion des „Stürmers“ veröffentlichte einen Ausschnitt eines anderen Fotos, auf dem derselbe Mann in einer anderen Haltung abgebildet ist. Der Ausschnitt ist so gewählt, dass weder der Soldat noch die Zuschauer zu sehen sind. Versehen wurde es mit einem typischen Kommentar des Hetzblattes: „Zum erstenmale produktive Arbeit! Ein jüdischer Wucherer in Polen muß bei Bauarbeiten helfen.“