Bilder mit Kommentar
Männer sitzen zusammen. Vielleicht hat einer von ihnen Geburtstag, andere feiern Weihnachten. Zur Erinnerung wollen sie ein Foto von sich machen. Und dann merken sie: Hier stimmt etwas nicht. Wenn wir jetzt ein Bild von uns machen, würde es aussehen wie ein normales Erinnerungsbild. Es ist aber gerade nichts „normal“, gar nichts.
Denn sie bezeichnen sich als die „Sklaven des 20. Jahrhunderts“, deren „Jugend zerstört“ wurde. Fern von ihrer Heimat, ihren Familien sind sie „ohne Liebe“, ihre Baracke ist eine „Villa der Tränen“.
Sie schreiben es auf, wie sie es empfinden – auf eine kleine Tafel, eine Tasche, was gerade zur Hand ist. Und dann erst machen sie das Foto.
Für die Öffentliche Intervention der Ausstellung Zwangsarbeit wurden vier dieser „Bilder mit Kommentar“ ausgewählt. Sie stammen von Zwangsarbeitern aus Belgien, Frankreich und Tschechien, die im Gegensatz zu polnischen oder sowjetischen Zwangsarbeitern Kameras besitzen durften. Durch ihre Kommentare auf den Fotos treten die Zwangsarbeiter dem Berliner U-Bahn Fahrenden als selbstbewusste Männer entgegen, die ihr Schicksal reflektieren und zugleich anklagen.


