Keine Verantwortung der Wirtschaft?

Fotoalbum zum Flick-Prozess, um 1950.

Im Flick-Prozess (1947) waren der Industrielle Friedrich Flick und fünf Mitarbeiter angeklagt. Nach dem Prozess gestaltete Friedrich Flicks engster Mitarbeiter Odilo Burkart, der freigesprochen worden war, ein 80seitiges Fotoalbum.

Quelle: Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv

Auszug aus dem Fotoalbum zum Flick-Prozess.

„Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die haßerfüllt zusammenkamen!“ Pressevertreter während der Verhandlung. Burkart unterstellte dem amerikanischen Hauptankläger Telford Taylor, er wolle nur Rache an den Deutschen üben.

Quelle: Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv

Auszug aus dem Fotoalbum zum Flick-Prozess.

„Hier sollte bereits bestehendes Völkerrecht ausgelegt und neues Völkerrecht geboren werden. Nie ist ein Versuch kläglicher gescheitert.“ Das Gerichtsgebäude in Nürnberg, 1947.

Quelle: Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv

Auszug aus dem Fotoalbum zum Flick-Prozess.

„Die Zeugin, die in Rombach täglich in Tränen badete.“ Im lothringischen Stahlwerk Rombach wurden unter der Leitung des Flick Sohns Otto-Ernst Tausende Zwangsarbeiter eingesetzt.

Quelle: Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv

Auszug aus dem Fotoalbum zum Flick-Prozess.

„Ich bin nicht schuldig.“ Friedrich Flick nach der Verlesung der Anklage. Die Verteidigung bestritt nicht, dass in den Werken des Flick-Konzerns mehrere Zehntausend Zwangsarbeiter eingesetzt worden waren. Sie sah darin aber kein Vergehen.

Quelle: Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv

Auszug aus der Anklageschrift des Internationalen Militärtribunals in Nürnberg (IMT).

Das IMT stufte „Deportation zur Zwangsarbeit“ und „Versklavung“ als wesentliche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein, für die die verantwortlichen Personen strafrechtlich haftbar gemacht wurden.

Quelle: Trial of the Major War Criminals before the International Military Tribunal, Nürnberg 1947

Londoner Schuldenabkommen, 27. Februar 1953.

Mit dem Abkommen konnte die Bundesrepublik erreichen, dass trotz anderer Verträge über Wiedergutmachungen der Großteil der Entschädigungsfragen bis zu einem späteren Friedensvertrag zurückgestellt wurde. Dieser war aus damaliger Perspektive in weiter Ferne: Deutschland war geteilt und der Kalte Krieg hatte begonnen.

In der DDR verzichtete die Sowjetunion im August 1953 auf weitere Reparationen. Dies umfasste auch Entschädigungen.

Quelle: Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin

Reparationen und Verträge.

Die deutsche Delegation bei der Unterzeichnung des Londoner Schuldenabkommens am 27. Februar 1953.

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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(Christian Goschler, Essays)

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„Flick ist kein Vorbild“

Eine Initiative ehemaliger Schüler zur Umbenennung des „Friedrich-Flick-Gymnasiums“ in Kreuztal baute im April 2008 eine eigene Website auf. Bis zur Umbenennung der Schule in „Städtisches Gymnasium Kreuztal“ am 6. November 2008 wurden im Gästebuch 1 428 Beiträge verfasst.

Keine Verantwortung der Wirtschaft?

Zwangsarbeit wurde von den Alliierten im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher erstmals als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt. In späteren Prozessen spielte sie jedoch kaum eine Rolle. Wegen ihrer Verantwortung für die Organisation der Zwangsarbeit verurteilten die Alliierten zehn der 24 Nürnberger Hauptangeklagten zu hohen Strafen. Wie die Angeklagten sah bald auch die Mehrheit der Deutschen nicht die Verbrechen, sondern die Urteile als Unrecht an. In den Nürnberger Nachfolgeprozessen fielen die Strafen bereits milder aus, nach kurzer Zeit wurden sie vielfach ausgesetzt. Vor deutschen Gerichten galt die Beschäftigung von Zwangsarbeitern nicht als Straftatbestand. Verfolgt wurden lediglich konkrete Fälle von Misshandlungen. Entschädigungsforderungen ehemaliger Zwangsarbeiter wurden mit Hinweis auf bilaterale Globalabkommen kategorisch abgelehnt.

Ab 1946 führten die Amerikaner in Nürnberg zwölf weitere Prozesse. Vier Verfahren beschäftigten sich mit der Verantwortung der Industrie für Zwangsarbeit. Im Flick-Prozess waren der Industrielle Friedrich Flick und fünf Mitarbeiter angeklagt. Die Urteile waren milde. Nach dem Prozess fertigte der freigesprochene Flick-Manager Odilo Burkart für die Konzernspitze ein Fotoalbum an.

Neue Generation – Neue Sicht

Im Dezember 1968 spendete der Industrielle Friedrich Flick drei Millionen DM für den Neubau eines Gymnasiums in seiner Heimatstadt, das daraufhin seinen Namen trug. Anfang der 1980er-Jahre gab es unter Schülern erste Nachfragen zu seiner Rolle im Nationalsozialismus. Daraus entwickelte sich ein über 20-jähriger Streit um eine Umbenennung der Schule. Im November 2008 wurde das „Friedrich-Flick-Gymnasium“ in „Städtisches Gymnasium Kreuztal“ umbenannt.